Damit die Teller nicht leer bleiben: Krisensichere Kitaverpflegung

gedeckter Tisch

Kitaverpflegung kann in Krisen zur Ernährungssicherung beitragen. Deshalb empfiehlt es sich, sie schon im Vorfeld krisenresilient aufzustellen.

Ernährungsnotfallvorsorge

Ziel der Ernährungsnotfallvorsorge ist es, dass die Bevölkerung in Krisenzeiten ausreichend Lebensmittel zur Verfügung hat. Mahlzeiten in der Kita sind für viele Kinder ein zentraler Bestandteil der täglichen Versorgung mit Lebensmitteln und somit für die Ernährungssicherung allgemein relevant. 

Insbesondere für sozial benachteiligte Kinder ist es daher wichtig, dass die Kitaverpflegung auch in kritischen Situationen aufrechterhalten wird, um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten.
 

Umgang mit möglichen Krisensituationen

Krisen können vielfältig sein und bedürfen individueller Lösungsansätze. Krisensituationen umfassen beispielsweise:

  • Lieferengpässe
  • Personalausfälle in der (Kita-)Küche, beim Caterer oder der Logistik
  • Technische Störungen wie der Ausfall von Küchengeräten aufgrund von Defekten oder ein Stromausfall
  • Naturereignisse wie Überschwemmungen, starker Schneefall und dadurch bedingte (kurzfristige) Kitaausfälle
  • Längerfristige Kitaschließungen zum Beispiel auf Grund von Epidemien oder Pandemien

Auf viele dieser Ereignisse kann man sich durch eine vorausschauende Planung und krisenresiliente Ausrichtung der Kitaverpflegung vorbereiten. Risiken können dadurch abgefedert werden, dass man unter anderem das Problembewusstsein für mögliche Risiken etabliert, Zuständigkeiten klar regelt und zentrale Maßnahmen zur Bewältigung der Krisensituation schriftlich festhält und im Alltag umsetzt.

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Welche Maßnahmen werden in Niedersachsen initiiert und umgesetzt?

Antwort von Jasmin Schwenker | Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:

In Niedersachsen werden aktuell die staatlichen Strukturen für die Ernährungssicherstellung- und Vorsorge nach dem ESVG (Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz) geschaffen. Zudem erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Stakeholdern, die neben einer laufenden Informationsweitergabe Materialien zum bundesweiten Warntag am 10.09.2026 erstellen (jedes Jahr am 2. Donnerstag im September).

Darüber hinaus wird das Landwirtschaftsministerium seinen eigenen Flyer, Roll-ups sowie die Internetseite zur privaten Vorsorge nach § 14 ESVG – unter Bezugnahme auf der für das Land Niedersachsen beabsichtigten Bevölkerungsschutzkampagne des Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung – überarbeiten.

Welche Informationen hält das Land Niedersachsen für Kitas und Schulen bereit?

Antwort von Jasmin Schwenker | Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:

Der Notfall-Monitor Niedersachsen ist eine zentrale Informationsseite der Landesregierung, die in Krisenzeiten verlässlich informiert. Kitas und Schulen können sich dort über aktuelle Warnmeldungen informieren.

Welche Warn-App sollten Kitas und Schulen haben?

Antwort von Jasmin Schwenker | Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:

Auf der Notfall-Monitor-Seite von Niedersachsen findet sich eine Übersicht der Warn-Apps. Mit der NINA Warn-App - des Bundes bekommt man in Niedersachsen wichtige Sicherheitshinweise für verschiedene Gefahrensituationen direkt auf das Smartphone. Zusätzlich nutzen die Kommunen in Niedersachsen die Apps BIWAPP oder KATWARN als Informationsdienste, um beispielsweise über Schulausfälle, Straßensperrungen zu benachrichtigen oder andere wichtige Informationen der Bevölkerung schnell und zuverlässig zugänglich zu machen.

Welche Fachinformationen für Kita und Schule gibt es bislang?

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) einen Digitalen Werkzeugkoffer – Kita- und Schulverpflegung krisensicher gestalten entwickelt. Darin zusammengefasst sind Maßnahmen und Handlungsempfehlungen, die als Vorbereitung auf Krisensituationen oder auch beim Umgang mit ungeplanten Störungen bzw. Unterbrechungen der Kita- und/ oder Schulverpflegung unterstützen können. Neben Checklisten enthält das Material Musternotfallpläne sowie anpassbare Vorlagen für einen individuellen Notfallplan und Elternbrief.

Die Untersuchungsergebnisse der im partizipativen Prozess vorgeschalteten Studie "Modulare Lösungsstrategien für eine krisensichere Kita- und Schulverpflegung" stehen ebenfalls kostenfrei zum Download bereit.

Zudem hat das Team der Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Niedersachsen mit der Projektmitarbeiterin Carolin Kahlisch vom IZT ein Interview geführt: Die Antworten auf die „7 Fragen zur Krisenresilienten Kitaverpflegung" und wie sich die vorschulische Kindertagesbetreuung gut vorbereiten kann, sind auf der Website nachzulesen.

Für wie viele Tage sollten Kitas bzw. Schulen einen Lebensmittelvorrat anlegen?

Empfehlenswert ist ein effektiver Notfallvorrat für zwei Tage. Dieser sollte primär aus haltbaren, leicht zuzubereitenden Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Grießbrei oder Dosengemüse bestehen, idealerweise ergänzt durch einen Tiefkühlüberhang. Die Lebensmittelbestände sollten regelmäßig auf Schädlingsbefall kontrolliert, vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) verzehrt und danach wieder ersetzt werden. 

Krisenvorsorge lässt sich sinnvoll in den Kita-Alltag integrieren, indem vorhandene Lebensmittel für Frühstück/ Nachmittagssnack wie Brot, Gemüse und Obst bei Bedarf flexibel zu einer improvisierten (Mittags-)Mahlzeit zusammengestellt werden.

Um im Ernstfall Verzögerungen zu vermeiden, sollten einfache Rezepte, Kochanleitungen sowie Abläufe zur Hygiene und Portionierung in einem digitalen Notfallplan dokumentiert werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, diese Unterlagen ausgedruckt und in einem für alle Mitarbeitenden leicht zugänglichen Ordner zu hinterlegen. 

Orientierungswerte für die erforderlichen Lebensmittelmengen bieten die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für die

Außerdem stehen der Vorratskalkulator und die Vorratstabellen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat als Planungshilfe zur Verfügung. 

Wo finde ich Informationen für den Privathaushalt?

Auch Privathaushalten wird empfohlen, einen Notvorrat anzulegen. Auf folgenden Websites finden Sie weiterführende Informationen dazu: 

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

  • Vorsorge für Krisen und Katastrophen – Broschüre mit Empfehlungen für die private Notfallvorsorge
  • Mediathek mit Suchstichwort „Vorsorge für Krisen und Katastrophen“ – Informationen in verschiedenen Sprachen, Checklisten und Videos in Gebärdensprache

Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Sektion Niedersachsen: 3-teilige Sonderstaffel des Podcasts „Zu Tisch, bitte!“ mit den Folgen 

1 | Ernährungssicherheit im Krisenfall – Aufgaben vom Bund und Land

2 | Vor Ort im Ernährungskrisenfall: Vom Notfallmonitor bis Notfall-Warenkorb in der Gemeinschaftsverpflegung

3 | Private Ernährungsnotfallvorsorge – Was jeder Einzelne von uns tun kann und wissen sollte!

Notfall-Monitor NiedersachsenZentrale Informationsseite der Landesregierung

Stiftung Warentest: Vorräte für den Katastrophenfall – welche und wie viel?

Fachartikel der Verbraucherzentrale Niedersachsen:

Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN): Private Ernährungsvorsorge – Informationen zur Vorratshaltung, Einkaufslisten, Rezepten und vieles mehr

Welche Speisen können aus gut lagerbaren Lebensmitteln zubereitet werden?

Vorschläge für nährstoffreiche Speisen, die unter Verwendung einer Energiequelle zubereitet werden können:

Einfache Speisenvorschläge aus dem Vorrat, für die (im Bedarfsfall) keine Energiequelle nötig ist:

  • Haferflocken, ungesüßte Cornflakes mit H-Milch oder pflanzlicher Milchalternative beziehungsweise Overnight Oats (in Wasser, Milch oder Pflanzendrink über Nacht eingeweichte Haferflocken) – ergänzt mit Nüssen, Trockenfrüchten oder Fruchtmus aus dem Glas; alternativ, wenn vorhanden, frisches Obst wie Apfel oder Birne (Rezept)
  • Knäckebrot, Zwieback oder Dauerbrot (abgepacktes, haltbares Brot beziehungsweise Dosenbrot) mit pikanten vegetarischen Aufstrichen (aus Glas oder Dose) oder Nussmus
  • Salate auf der Basis von Konservenware wie beispielsweise Bohnen-Maissalat (aus Kidneybohnen und Mais, angemacht mit Öl, Essig und Gewürzen)
  • Fertiggerichte, die (notfalls) auch kalt gegessen werden können, zum Beispiel Ravioli oder Eintöpfe aus der Dose
  • Weitere Rezepte aus dem Vorratsschrank

Einfache Speisenvorschläge aus dem Vorrat, für die eine Energiequelle notwendig ist: 

  • One-Pot-Gerichte wie Linsensuppe (rote oder gelbe Linsen)
  • (Vollkorn-)Nudeln (auf möglichst geringe Garzeit achten) mit (Fertig-)Soße
  • Bulgur- oder Couscoussalat mit Hülsenfrüchten/ Gemüse aus der Dose
  • Hirse- oder Grießbrei (zum Beispiel ergänzt um Nüsse/ Trockenobst)
  • Polenta
  • Reisgerichte
  • Gemüsebrühe (beispielsweise mit Nudeln)
  • Kartoffelsuppe
  • Arme Ritter (in Milch eingeweichte Brot-/Toastscheiben in der Pfanne von beiden Seiten braten; Beilage Fruchtmus)

Welche alternativen Kochmethoden bieten sich bei Stromausfall an?

Kochmethoden ohne Strom auf einen Blick

(in der Regel (nur) für das Kochen im Freien geeignet)

  • Gasherd | Brennstoff: Gas
  • Hockerkocher/ Campingkocher | Brennstoff: Butan- oder Propankartuschen bzw. -flaschen, ggf. Spiritus
  • Spirituskocher | Brennstoff: Spiritus
  • Solarkocher | Energiequelle: Sonnenenergie
  • Lagerfeuer/ Feuerschale: Brennstoff Holz
  • Grill | Brennstoff: Gas oder Holzkohle

Um Speisen oder Getränke warmzuhalten, eignen sich zudem Teelichtofen oder Stövchen.

Welche Rezepte eignen sich, wenn man mit alternativer Energiequelle bei Stromausfall kochen möchte (zum Beispiel draußen mit Gaskocher oder am Feuer)?

Rezeptsammlung mit Ideen für die Outdoorküche am Lagerfeuer (PDF | nicht barrierefrei) –zum Beispiel Pfannenbrot/-brötchen, Grill- oder Stockbrot