7 Fragen zu Lebensmittelschädlingen und wie Gemeinschaftseinrichtungen ihre Vorräte schützen
Im Gespräch mit Dr. Benjamin Fürstenau vom Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Berlin – über ungebetene Gäste.
1. Was versteht man unter Lebensmittelschädlingen und welche gibt es?
Lebensmittel- bzw. Vorratsschädlinge sind Tiere/ Organismen, die gelagerte pflanzliche Produkte befallen, beschädigen oder verunreinigen. Sie können Vorräte (Lebensmittel) durch Fraß direkt schädigen oder sie beispielsweise durch Kot, Körperteile, Haare, Larven- und Puppenhäute, Gespinste oder andere Ausscheidungen verunreinigen. Dadurch können Lebensmittel an Qualität verlieren, verderben und untauglich für den Verzehr werden. Zu den wichtigsten Schadorganismen von Lebensmitteln gehören:
- Insekten: Dazu zählen Käfer wie Kornkäfer, Mehlkäfer oder Brotkäfer, Motten wie Dörrobstmotten und Mehlmotten sowie Staubläuse. Auch Schaben, Ameisen und Fruchtfliegen können in Lebensmittelbereichen auftreten und dort insbesondere hygienische Probleme verursachen.
- Nagetiere: Mäuse und Ratten können Lebensmittel anfressen und durch Kot, Urin, Haare oder andere Verunreinigungen verschmutzen.
- Milben: Beispielsweise können Mehlmilben Getreide und Getreideprodukte befallen und deren Qualität beeinträchtigen.
- Pilze und andere Mikroorganismen: Sie können Lebensmittel verderben. Einige Schimmelpilze bilden außerdem sogenannte Mykotoxine, die für Menschen und Tiere gesundheitsschädlich sein können.
Häufig wird zwischen Vorratsschädlingen und Hygieneschädlingen unterschieden, wobei die Abgrenzungen je nach Auswirkungen fließend sein können. Vorratsschädlinge befallen insbesondere trockene Lebensmittel (bzw. lagerfähige Erzeugnisse pflanzlicher Herkunft – unverarbeitet sowie einfach verarbeitet) und entwickeln sich darin bzw. in deren unmittelbarer Umgebung. Hygieneschädlinge verursachen dagegen vor allem hygienische Probleme, indem sie Lebensmittel verunreinigen oder Krankheitserreger verschleppen und auch Allergien auslösen können.
Umgangssprachlich als Lebensmittelschädlinge bezeichnete Schadorganismen können überall dort auftreten, wo sie Nahrung und geeignete Bedingungen zum Überleben und zur Vermehrung finden. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten können sie beispielsweise in Küchenschränken, Vorratsräumen und Kellern vorkommen. Einige Schädlinge können sich direkt in den Lebensmitteln oder Verpackungen entwickeln, andere halten sich beispielsweise in Lebensmittelresten, Ritzen und schwer zugänglichen Bereichen auf.
Weitere Informationen und Steckbriefe zu verschiedenen Vorratsschädlingen finden Sie im Wissensportal Vorratsschutz des Julius Kühn-Instituts.
2. Welche Lebensmittel sind bei Schädlingen (besonders) beliebt?
Grundsätzlich können Vorrats-/ Lebensmittelschädlinge viele verschiedene Lebensmittel befallen. Besonders häufig betroffen sind jedoch trockene und lagerfähige Vorräte, da sie über längere Zeit Nahrung bieten und häufig bei geeigneten Bedingungen gelagert werden. Besonders beliebt sind beispielsweise:
- Vorratslagerndes Getreide wie Weizen, Hafer, Reis, Mais und einfach verarbeitete Getreideprodukte wie Mehl, Stärke, Grieß, Haferflocken und Schrot
- Nüsse wie Walnuss, Mandel und Haselnuss sowie Ölsaaten wie Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen
- Trockenobst und Trockengemüse
- getrocknete Gewürze und Kräuter
- Kräuter- und Früchtetees
- verarbeitete Produkte und Mischungen wie
- Müsli
- Nudeln und andere Teigwaren (getrocknet)
- Schokolade und kakaohaltige Produkte
- Backwaren wie Kekse, Kuchen, Brot, Knäcke
Frisches Obst und Gemüse kann ebenfalls befallen werden, insbesondere wenn es reif, beschädigt oder bereits überlagert ist. Auch Fleisch, Fisch und andere leicht verderbliche Lebensmittel können von verschiedenen Schädlingen befallen oder durch sie verunreinigt werden.
Welche Lebensmittel ein Schädling bevorzugt, hängt jedoch stark von der jeweiligen Art ab. So befallen manche Vorratsschädlinge vor allem Getreide und Getreideprodukte, während andere beispielsweise Nüsse, Trockenfrüchte oder Gewürze bevorzugen.
Einige Lebensmittel sind dagegen für viele typische Vorratsschädlinge wenig oder gar nicht geeignet. Dazu gehören beispielsweise Salz und Zucker sowie sehr trockene oder stark verarbeitete Produkte. Auch Fette und Öle sind für viele Vorratsschädlinge keine geeignete Nahrungsquelle.
3. Auf welchen Wegen gelangen Vorratsschädlinge in die Einrichtung?
Vorratsschädlinge können auf unterschiedlichen Wegen in eine Einrichtung gelangen. Häufig werden sie unbemerkt mit befallenen Lebensmitteln und deren Verpackungen oder anderen Waren eingeschleppt. Das kann beispielsweise bei (Getreide-)produkten, Nüssen, Trockenobst, Gewürzen oder anderen trockenen Lebensmitteln der Fall sein.
Manche Schädlinge gelangen auch von außen in Gebäude. Besonders in der warmen Jahreszeit sind viele Insekten aktiv und können beispielsweise durch geöffnete Fenster und Türen, Lüftungsöffnungen oder andere kleine Öffnungen eindringen. Auch Nagetiere wie Mäuse und Ratten können durch offene Türen, Tore, kleine Gebäudeöffnungen oder über Pflanzenwuchs an Fassaden in Innenräume gelangen. Einmal in den der Einrichtung angekommen, finden viele Schädlinge dort günstige Bedingungen für ihre Entwicklung.
4. Wie können Kitas einen Befall (frühzeitig) erkennen?
Ein Schädlingsbefall lässt sich am besten erkennen, wenn Lebensmittel und Lagerräume regelmäßig und systematisch kontrolliert werden. Je früher ein Befall entdeckt wird, desto einfacher lässt sich ein massiver Befall sowie eine weitere Ausbreitung verhindern. Bei der Kontrolle sollte besonders auf folgende Anzeichen geachtet werden:
- lebende oder tote Insekten und Milben
- Larven, Puppen oder Häutungsreste
- Fraßspuren oder beschädigte Verpackungen
- Gespinste oder Verklumpungen in Lebensmitteln
- ungewöhnliche Gerüche oder Veränderungen der Lebensmittel
- Schädlinge oder deren Spuren in Ritzen, Ecken, Schränken und Regalen
Wichtig ist eine regelmäßige und strukturierte Sichtkontrolle. Dabei sollten insbesondere Vorratsschränke, Lagerräume, schwer zugängliche Bereiche und die Lebensmittel selbst kontrolliert werden. Auch neu angelieferte Lebensmittel sollten möglichst bereits bei der Annahme auf beschädigte Verpackungen oder sichtbare Anzeichen eines Befalls überprüft werden.
Eine gute Lagerführung unterstützt die Früherkennung. Lebensmittel sollten trocken, sauber und möglichst luftdicht (hermetisch, zum Beispiel in Weck- oder Schraubdeckelgläsern) und übersichtlich gelagert werden. Zusätzlich können in geeigneten Bereichen Monitoring-/Pheromonfallen eingesetzt werden. Sie dienen dazu, das Auftreten bestimmter Schädlinge frühzeitig zu erkennen und ihre Entwicklung zu überwachen. Dabei ist es wichtig, geeignete Fallen am richtigen Ort einzusetzen und regelmäßig zu kontrollieren. Monitoringfallen ersetzen jedoch nicht die Sichtkontrolle und eine gute Sauberkeit im Lager. Auch Grundkenntnisse über typische Vorratsschädlinge helfen bei der Früherkennung. Wenn Mitarbeitende wissen, wie häufige Schädlinge aussehen, welche Lebensmittel sie bevorzugen und welche Spuren sie hinterlassen, können verdächtige Veränderungen schneller erkannt und gemeldet werden.
Grundsätzlich gilt: Je regelmäßiger kontrolliert und dokumentiert wird, desto größer ist die Chance, einen Schädlingsbefall frühzeitig zu erkennen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
5. Wie gehen die Kitamitarbeitenden am besten bei einem Befall vor und was sind die ersten Schritte?
Wird in einer Kita ein Schädlingsbefall festgestellt, sollte ruhig und systematisch vorgegangen werden. Ziel ist es zunächst, die Ausbreitung des Befalls zu verhindern und die Ursache zu finden. Im ersten Schritt sollten die betroffenen Lebensmittel nicht mehr verwendet und möglichst aus dem Lagerbereich entfernt werden. Dabei sollte nicht nur das offensichtlich befallene Produkt betrachtet werden, da sich Schädlinge auch in benachbarten oder scheinbar unauffälligen Packungen befinden können. Befallene Lebensmittel sollten sicher verpackt und vor der Entsorgung für mehrere Tage tiefgefroren werden, um alle Entwicklungsstadien abzutöten und so kein Neubefall vom Hausmüll ausgehen kann.
Im nächsten Schritt sollte die Ursache und der Ausbreitungsweg geprüft werden, um zu ermitteln, woher die Schädlinge gekommen sein könnten. Mögliche Ursachen sind beispielsweise eine bereits befallene Lebensmittellieferung, beschädigte Verpackungen oder ein Zugang von außen. Auch angrenzende Schränke, Vorräte und Lagerräume sollten kontrolliert werden, um festzustellen, ob sich der Befall bereits weiter ausgebreitet hat. Bei einem größeren oder wiederkehrenden Befall sollte eine sachkundige Schädlingsbekämpfungsfirma hinzugezogen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schädlingsart nicht sicher bestimmt werden kann oder der Befall trotz erster Maßnahmen bestehen bleibt.
Grundsätzlich lassen sich Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung in physikalische, biologische und chemische Verfahren einteilen. Physikalische Maßnahmen sind für Kitas besonders wichtig. Dazu gehören beispielsweise das Entfernen befallener Lebensmittel, gründliche Reinigung sowie bei entsprechenden Voraussetzungen eine Behandlung mit Hitze. Biologische Verfahren können beispielsweise den Einsatz natürlicher Gegenspieler von Schädlingen umfassen. Sie spielen vor allem in bestimmten gewerblichen Bereichen eine Rolle und sind für eine Kita im Einzelfall durch sachkundige Personen zu beurteilen. Chemische Bekämpfungsmaßnahmen sollten in Bereichen, in denen Lebensmittel gelagert, zubereitet oder ausgegeben werden, nur durch professionelle sachkundige Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden. Dabei müssen die geltenden Vorgaben zum Schutz von Kindern, Mitarbeitenden und Lebensmitteln berücksichtigt werden.
Wichtig: Bei einem Schädlingsbefall sollten Kitamitarbeitende nicht einfach selbst verschiedene Mittel ausprobieren. Entscheidend ist zunächst das Aussortieren betroffener Lebensmittel, gründliche Reinigung, Kontrolle der Umgebung und eine Dokumentation. Bei einem stärkeren oder unklaren Befall ist eine fachkundige Unterstützung durch Experten unerlässlich.
6. An wen wenden sich Kitas, wenn eigene Maßnahmen zur Bekämpfung wirkungslos bleiben?
Wenn die eigenen Maßnahmen nicht ausreichen oder der Schädlingsbefall immer wieder auftritt, sollten Kitas fachkundige Unterstützung hinzuziehen. Bei einem Befall, der Lebensmittel betrifft oder bei dem eine gesundheitliche Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann, kann sich die Kita an die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde wenden. Diese kann beraten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen veranlassen. Zusätzlich oder bei einem umfangreichen Befall kann ein professioneller Schädlingsbekämpfungsbetrieb beauftragt werden. Gerade in Einrichtungen, in denen Lebensmittel für Kinder gelagert und zubereitet werden, sollten Bekämpfungsmaßnahmen fachgerecht geplant und durchgeführt werden. Nach der Bekämpfung sollte eine Nachkontrolle erfolgen. Dabei wird überprüft, ob der Befall tatsächlich beseitigt wurde oder weiterhin Schädlinge vorhanden sind. Bei Bedarf sollten anschließend weitere Maßnahmen durchgeführt und dokumentiert werden.
Wichtig: Bei einem wiederkehrenden Befall sollte nicht nur der sichtbare Schädlingsbefall bekämpft werden. Es sollte auch nach der Befallsquelle und möglichen Eintrittswegen gesucht werden, damit ein erneuter Befall möglichst verhindert werden kann.
7. Wie schützen Gemeinschaftseinrichtungen ihre Lebensmittel am besten vor Schädlingen?
Der beste Schutz von Lebensmitteln beginnt mit der Vorbeugung. Ziel ist es, Schädlinge gar nicht erst in die Einrichtung gelangen zu lassen und einen Befall möglichst frühzeitig zu vermeiden. Bereits bei der Warenanlieferung sollten Lebensmittel und Verpackungen kontrolliert werden. Beschädigte oder auffällige Verpackungen sowie Lebensmittel mit Anzeichen eines Befalls sollten weder eingekauft noch angenommen oder verwendet werden.
Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Sauberkeit. Lebensmittelreste und verschüttete Produkte sollten möglichst schnell entfernt werden. Lager- und Arbeitsbereiche sollten regelmäßig gründlich gereinigt werden. Dabei sind auch Ritzen, Spalten, Ecken und andere schwer zugängliche Bereiche zu berücksichtigen. Auch bauliche Maßnahmen können verhindern, dass Schädlinge in die Einrichtung gelangen. Dazu gehören beispielsweise geeignete Fliegengitter an Fenstern und Lüftungsöffnungen, dicht schließende Türen sowie das Abdichten von Fugen und anderen möglichen Eintrittsstellen.
Lebensmittel sollten möglichst kühl, trocken und übersichtlich gelagert werden. Trockene Lebensmittel wie Mehl, Getreideprodukte, Nüsse, Müsli oder Trockenobst können nach dem Öffnen in dicht schließende Behälter wie Gläser oder geeignete Vorratsdosen umgefüllt werden. Dadurch wird ein möglicher Befall nicht unbedingt verhindert, aber eine weitere Ausbreitung kann erschwert und ein Befall leichter erkannt werden. Bei der Lagerung sollte außerdem nach dem Prinzip „First in – First out“ (FIFO) gearbeitet werden: Lebensmittel, die zuerst eingelagert wurden, werden auch zuerst verwendet. Dadurch werden unnötig lange Lagerzeiten vermieden. Die Lagerbestände sollten übersichtlich bleiben und regelmäßig kontrolliert werden. Ein regelmäßiges Schädlingsmonitoring kann zusätzlich dabei helfen, einen Befall frühzeitig zu erkennen. Die Kontrollen sollten regelmäßig – beispielsweise monatlich oder entsprechend einem festgelegten Hygieneplan – durchgeführt und dokumentiert werden. Für Gemeinschaftseinrichtungen ist außerdem ein HACCP-Konzept (Hazard Analysis and Critical Control Point) von Bedeutung. Die Vorbeugung und Überwachung von Schädlingsbefall sollte Bestandteil des betrieblichen Hygienekonzepts sein. Dabei werden mögliche Gefahren analysiert, geeignete vorbeugende Maßnahmen festgelegt und deren Durchführung kontrolliert und dokumentiert.
Grundsätzlich gilt: Je kürzer Lebensmittel gelagert, je sauberer und trockener die Lagerräume gehalten und je regelmäßiger die Vorräte kontrolliert werden, desto besser lassen sich Schädlingsbefall und seine Ausbreitung verhindern.