Tag(e) der Kitaverpflegung 2026:

Tag(e) der Kitaverpflegung 2026

Niedersächsische Vernetzungsstelle Kitaverpflegung mit Online-Kurs und einem digitalen Fachtag für die Kindertagespflege beteiligt

Ähnlich wie im letzten Jahr hatten alle Vernetzungsstellen Kitaverpflegung in Deutschland gemeinsam ein thematisch sehr buntes Programm mit Web-Seminaren auf die Beine gestellt – ganz nach dem Motto des Tags der Kitaverpflegung: Vielfalt schmecken und entdecken. Das Interesse war groß, insgesamt 2116 Teilnehmende konnte die Statistik am Ende vorweisen. Auch der niedersächsische Beitrag „Lebensmittelhygiene in der Kindertagesbetreuung“ am 06.05.2026 war bis auf den letzten Platz ausgebucht. 

Die Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Niedersachsen hatte sich im Anschluss an die Woche noch einen besonderen Beitrag überlegt und veranstaltete am Samstag, 09.05.2026, exklusiv für Kindertagespflegepersonen einen digitalen Fachtag, der die Bedeutung von Mahlzeiten im pädagogischen Alltag in den Mittelpunkt rückte. Kindertagespflegepersonen aus dem gesamten Bundesgebiet nutzen die Gelegenheit, sich fachlich weiterzubilden und neue Impulse für ihre tägliche Arbeit zu erhalten.

Im Fokus stand der Esstisch – als Ort für eine gesunde Entwicklung von Kindern, Sprache und Resilienzförderung.

Dies verdeutlichte Tanja Bolm, Projektleiterin der niedersächsischen Vernetzungsstelle Kitaverpflegung, gleich zu Anfang bei der Begrüßung: „Kinder lernen beim Essen nicht nur, was ihnen schmeckt. Sie lernen, sich mitzuteilen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, Entscheidungen zu treffen und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Diese Erfahrungen stärken Kinder nachhaltig – sowohl emotional als auch gesundheitlich.“ 

Wertschätzende Grußworte von Miriam Staudte, Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz in Niedersachsen unterstrichen im Anschluss die große Bedeutung alltäglicher Mahlzeiten in den frühen Jahren: „Kinder im vorschulischen Bereich haben ein Anrecht auf gesunde Ernährung. Da werden die Weichen gestellt, und es ist wirklich toll, dass sich so viele engagierte Menschen einbringen, um dieses Thema voranzubringen.“ Auch Petra Kristandt, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Niedersachsen und Trägerin der Kitavernetzungsstelle, teilte diese Ansicht und bedankte sich darüber hinaus für die Organisation der fachlichen Impulse, die das Thema aus sehr unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Perspektiven beleuchteten. 


Ernährungsumgebung bewusst gestalten
Dr. Ernestine Tecklenburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sowie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, betonte im ersten Impulsvortrag, dass gesundheitsförderndes Essen bereits „vor dem Teller“ beginnt. Eine ansprechende Atmosphäre, verlässliche Rituale, altersgerechte Beteiligung sowie kleine „Anstupser“ (Nudging) tragen zu einer fairen Ernährungsumgebung bei. Diese ermöglicht es den Kindern, eine gesundheitsfördernde Verpflegung als selbstverständlich zu erleben und Lebensmittel mit allen Sinnen zu entdecken und positiv wahrzunehmen. Frau Dr. Tecklenburg griff zudem die neuen Handlungsempfehlungen auf: Die drei von Verbraucherzentralen getragenen Kitavernetzungsstellen Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben gemeinsam praxisnahe Anregungen für die Speisenplanung in der Kindertagespflege entwickelt – vom Frühstück über das Mittagessen bis zum Nachmittagssnack. 

Resilienz am Esstisch stärken
Im zweiten Impuls lenkte Kerstin Müller-Belau, Referentin für kindliche Entwicklung, den Blick auf die Mahlzeit als pädagogischen Schlüsselmoment für die Resilienzentwicklung. Im Ess-Alltag in der Kindertagespflege entstehen wertvolle Gelegenheiten, um Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenzen und Selbstregulation zu fördern. Kindertagespflegepersonen nehmen dabei eine zentrale Rolle als stabile Bezugspersonen ein, die mit einer wertschätzenden Haltung und durch entwicklungsgerechter Partizipation Kinder ressourcenorientiert begleiten und stärken können.

Sprachbildung alltagsintegriert fördern
Erziehungswissenschaftlerin und Bildungsreferentin Beate Hamilton-Kohn zeigte als Dritte im Bunde, wie sich Mahlzeiten hervorragend für Sprachbildung im Alltag nutzen lassen. Gespräche beim Essen, gemeinsames Zubereiten und bewusste sprachliche Begleitung eröffnen vielfältige Lernanlässe. Essen wird zum „sprachlichen Türöffner“, der Wortschatz, Ausdrucksfähigkeit und Selbstvertrauen stärktKinder profitieren besonders davon, wenn Räume geschaffen werden, die zum Sprechen, Ausprobieren und Mitgestalten einladen.

Fachlicher Austausch kam nicht zu kurz
Nach jedem Impulsvortrag tauschten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen vertiefend aus.

Fazit: Der Esstisch ist ein zentraler Lern- und Lebensort im Alltag von Kindern
Der Fachtag machte deutlich, wie viel pädagogisches Potenzial im Ess-Alltag liegt. Gerade in der Kindertagespflege, die durch Nähe, Kontinuität und kleine Gruppen geprägt ist, bieten Mahlzeiten ideale Voraussetzungen, um Kinder ganzheitlich zu fördern. Die Verbindung aus fairer Ernährungsumgebung, resilienzstärkender Begleitung und sprachlicher Bildung zeigt: Der Esstisch bietet vielfältige Lern- und Entwicklungsimpulse – Kindertagespflegepersonen sind für die Kinder dabei ein Kompass auf ihrem Weg zu wachsen.